Kinder kooperieren immer. Genau wie du, deine Kolleg*innen, dein gesamter Freundeskreis, einfach alle.

Im großen sozialen Netzwerk Leben reagieren wir ständig auf Impulse unserer Mitmenschen – und setzen eigene. Mal bewusst, mal unterbewusst, mal völlig zufällig verhalten wir uns zu dem, was andere von uns erwarten, wünschen, brauchen. Und mal ehrlich: Sich auf andere „einstellen“, flexibel auf Erwartungen reagieren, mit denen du nie gerechnet hättest, die vielleicht sogar unsichtbar auf dich wirken, das kann ganz schön anstrengend werden.

Mein Status – dein Status

Wenn wir in der breit definierten Theaterwelt von Statusunterschieden sprechen, bedeutet das nicht: Ich bin der Boss, du hast dich mir anzupassen. Es bedeutet also auch nicht: Meine Schüler*innen oder die Kinder, die ich begleite, müssten sich den Erwartungen einer Amtsautorität unterwerfen.

Das mag zwar auf eine gewisse Art „funktionieren“ im Sinne von: der Lehrperson das Leben leichter machen. Es verletzt jedoch permanent die Integrität der Kinder, die wir doch eigentlich begleiten statt gefügig machen wollen. Und dennoch gibt es doch einen Unterschied zwischen dir und den Kindern?

Keith Johnstone (von dem du vielleicht schon in anderen Beiträgen auf dieser Website gehört hast, denn ich habe viel von ihm lernen dürfen und orientiere mich stark an seiner Sichtweise auf Theaterpädagogik) definiert einen großen Unterschied zwischen Macht und Status.

Wie sieht’s bei dir innen drin aus?

Einen Status haben wir immer gegenüber unseren Gegenübern inne. Vergleich nur einmal diese drei Typen, vielleicht wird dann schon einiges klarer:

– Herr Tiefstatus hat keine Zeit, morgens zu frühstücken. Schon vor dem Wecker denkt er daran, dass ihn Leon aus der 3b nachher wieder in der Luft zerreißen wird. Die „schlimmste Klasse der ganzen Schule“ – und ausgerechnet Herr Tiefstatus muss diese Woche vertreten. Zu Beginn der Stunde steht er vor der Klasse, sein Herz klopft wie verrückt. Als niemand auf ihn hören möchte, fühlt er sich ignoriert und verletzt. Er schreit: Wenn ihr nicht gleich ruhig seid, dann… Plötzlich weiß er nicht mehr weiter.

– Herr Hochstatus hingegen hat gut gefrühstückt. Seinen Unterricht bereitet er schon lange nicht mehr vor. Wenn Eltern ein Gespräch mit ihm vereinbaren wollen, schickt er ihnen gleich ein PDF mit Erziehungstipps zurück. Als er heute seine Klasse betritt, ist es mucksmäuschenstill. Läuft doch, denkt er. Da fällt Lucas vom Stuhl. Aufstehen, diktiert Herr Hochstatus, Hausaufgabenheft raus! Lucas weint.

– Frau Abwechslungsreich hatte heute auch einen stressigen Morgen. Als sie in die Klasse kommt, spüren einige, dass sie noch nicht ganz wach ist. Sie versammelt die Kinder vorn im Sitzkreis, damit alle sich in Ruhe begrüßen können. Als Theresia versucht, die anderen von der Bank zu schubsen, greift Frau Abwechslungsreich ein. Sie ist schließlich immer bereit, auf die Impulse der Kinder einzugehen und ihnen zu antworten. Sie fragt Theresia, ob sie heute auch so unruhig geschlafen hat wie sie.

Und welchen inneren Status nimmst du ein?

In der Kürze der Beispiele ist es natürlich schwierig bis unmöglich festzulegen, dieser Typ bin ich oder bin ich nicht. Und doch kann es dir helfen, dir zu vergegenwärtigen, in welchem inneren Status du vor die Klasse trittst. Wie es dir selbst geht. Wie sicher du dir bist. Wie viel Unsicherheit du dir selbst zugestehst. Wie hoch dein innerer Status ist, damit du dich souverän, flexibel und ehrlich auf andere einstellen kannst.

Und wie du bewusst in den Tiefstatus gehen kannst, um deine Kinder zu sehen und ihre Bedürfnisse wahrzunehmen; wie du dich empfänglich machst für die Ebene, die unter dem Verhalten, dem äußeren Status, der Kinder liegt.

Workshops & Fortbildungen zum Thema Status

Wie das gehen soll, verrate ich dir in der theaterpädagogischen Fortbildung für Lehrer*innen und Erzieher*innen. Natürlich wird das kein öder Vortrag, sondern wir spielen die ganze Zeit Theater. Du entdeckst oder vertiefst deine authentische Selbstsicherheit – denn natürlich hast du das Potential, stark zu sein und Kinder einfühlsam und professionell zu begleiten. In vielen spielerischen Übungen und Konfliktsimulationen nähern wir uns gemeinsam dem Problemfeld Status.

Im Workshop (ca. 3 U-Stunden) erhalten du und dein Kollegium (bis zu 20 Personen pro Workshop) einen Einblick in die Statusarbeit. Nach Übungen zu Körpersprache, innerer Haltung, Stimme, Bewegung, Gruppenfokus und Spielfertigkeit begeben wir uns mit theaterästhetischen Mitteln in die Auseinandersetzung mit dem eigenen Status.

In der ganztägigen Fortbildung (ca. 8 U-Stunden) vertiefen wir dies, indem wir unsere Erkenntnisse auf konkrete Unterrichtsinhalte anwenden und gemeinsam „erspielen“, wie du selbst dann entspannt und konstruktiv mit Impulsen umgehen kannst, wenn es dir schwierig fällt, eine positive Beziehung zu dem Kind oder den Kindern aufzubauen und aufrechtzuerhalten.

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