— GUSTAV BEYER

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Haben alle die gleichen Chancen?

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Haben alle die gleichen Chancen? Fragt mitmischen.de, das Jugendportal zum Bundestag und meint damit, ob Geschlechterzuschreibungen tatsächlich eine Rolle bei der Berufswahl spielen (sollen). mitmischen.de-Autorin Alina hat mich interviewt, weil ich doch Grundschullehrer werde und deshalb als „Exot“ gelte.

„Ich hatte den Wunsch, Neugier zu wecken und war immer fasziniert davon, wie meine eigenen Lehrer das geschafft haben“, erinnert sich Gustav Beyer. Der 25-Jährige wusste seit einem Praktikum im Kindergarten, dass er nach dem Abitur etwas Soziales mit Kindern machen wollte. Inzwischen studiert er Grundschullehramt an der Universität Leipzig, im Herbst beendet er das Studium. Seine Fächer sind Philosophie/Ethik, Mathematik, Deutsch und Sachunterricht.

Damit ist Gustav jedoch ein Exot. Nur wenige Männer in Deutschland arbeiten als Lehrer in Grundschulen. Insgesamt sind es weniger als 20 Prozent, der größte Teil sind Lehrerinnen. An manchen Grundschulen gibt es gar keine männlichen Lehrer mehr.

In unserer Gesellschaft gilt der Beruf des Grundschullehrers eher als unattraktiv. Die Karrierechancen seien zu gering, man verdiene zu wenig Geld und intellektuell sei die Arbeit zu anspruchslos, sind die oft wiederholten Klischees.

In den nächsten Jahren wird sich an dieser zahlenmäßigen Ungleichheit nicht viel ändern. Denn von den 20.000 Studierenden für das Grundschullehrarmt im Jahr 2015 waren nur 2.500 Männer, also etwa ein Siebtel. Auch in Gustavs Seminaren an der Uni haben sich diese Zahlen widergespiegelt, oft saß er mit nur einem anderen Mann im Hörsaal.

Schon vor dem Studium hat Gustav gespürt, dass viele Menschen seinen Berufswunsch ungewöhnlich finden. Mancher Freund fragte ihn, was er an der Grundschule wolle, da wären doch nur kleine, nervige Kinder. Am Gymnasium könnte man viel bessere politische Diskussionen führen. Doch Gustav schätzt die offene, lockere Art der Grundschulkinder, die er im Praktikum kennengelernt hat. Debatten kann er auch mit jüngeren Kindern führen und anspruchsvoll sei der Job ebenfalls. Jedem, der das nicht so empfindet, empfiehlt er ein Praktikum in der Grundschule.

Vor allem im Ethik-Unterricht diskutiert er mit den Kindern – auch über Unterschiede der Geschlechter. „Kinder sind sehr wohl in der Lage, biologische Voraussetzungen von sozialen Konstruktionen zu unterscheiden. Eher haben Erwachsene damit ein Problem – und geben Vorurteile über festgelegte Geschlechterrollen an ihre Kinder weiter,“ erzählt Gustav.

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