— GUSTAV BEYER

#meerrettich
Nachhaltigkeit macht Schule

meerrettich

Wie – es gibt noch Schulen ohne Zero-Waste-Lifestyle? Ohne Altpapierdrucker und Mehrwegbecher? Okay, was ich selbst an Schulen gesehen habe, war vorbildlich, und trotzdem: Es gibt immer was zu tun. Für Schüler*innen habe ich in Zusammenarbeit mit Greenpeace und dem Social-Media-Projekt we-like.com ein Tutorial erstellt mit Hinweisen, wie selbst die jüngeren Zielgruppen konstruktiv Hand anlegen und sich stark machen können. Inspiriert besonders von der saucoolen, umweltbewussten Arbeit an der Leipziger Lessingschule!

Das Tutorial sowie weitere Beiträge zum Umweltschutz sind unter dem Hash #meerrettich auf diversen Portalen erschienen.

Euren Lehrer*innen ist es bisher nicht gelungen, an eurer Schule einen Zero-Waste-Lifestyle durchzusetzen? Dann müsst ihr ran! Deutschlandweit gibt es Vorzeigeprojekte an tausenden von Schulen. Wir stellen euch fünf Ideen gegen Plastikmüll und für mehr Umweltschutz vor, die ihr selbst leicht umsetzen könnt. Tipp: Einige Kommunen haben sogar Preise ausgelobt. Macht euch schlau!

Altpapier sammeln

Ihr werdet schon merken: Selbst wer euch als Walretter*in oder Ökotante/*onkel verspottet, wird plötzlich zum*r Umweltschützer*in, wenn’s dafür was umsonst gibt. Gummibärchen zum Beispiel oder – noch besser – Geld. Das zahlen viele Unternehmen wie die Stadtreinigung oder Altpapier-Annahmestellen (häufig „Papierbank“ genannt), wenn ihr Altpapier en masse sammelt. Da gibt’s pro Tonne ordentlich Cash! Mit dem verdient ihr euch dann den nächsten Wandertag oder die neuen Fußballtore auf dem Schulhof.

So einfach geht’s:

  • Annahmestelle finden. Die Schulleitung macht mit denen einen Deal.
  • Altpapier-Tonnen ausfindig machen. Der*m Hausmeister*in Bescheid sagen.
  • Sammeln (lassen), was das Zeug hält. Kontrollieren, dass nur Altpapier in der Tonne landet. Wiegen.
  • Einen Wettbewerb draus machen: Welche Klasse sammelt den meisten Müll? Das spornt an!
  • Geld kassieren.

 

Keine Tütenmilch mehr trinken

Schulmilch ist oft mit Zucker ergänzt und deshalb ungesund. Und sie wird häufig in umweltschädlichen Plastikverpackungen von lächerlichen 250 Millilitern geliefert. Leute, wer seine Milch will, der kann ordentlich abfüllen: Milch einfach aus der großen Klassen-Flasche in die eigene Glasflasche oder -tasse füllen.

So einfach geht’s:

  • Landwirt*innen in der Region haben oft sogar Milch übrig und verkaufen sie euch zum Gruppentarif. Dann muss die Milch nicht durch die halbe Republik kutschiert werden und kommt frisch bei euch an.
  • Nicht nur in Bioläden, auch in vielen Supermärkten gibt es Milch in Glasflaschen. Super! Die rechnen sich im Vergleich zu den Einzelpreisen der Plastik-Milch immer noch.
  • Schulleitung davon überzeugen, dass winzige Portionen von der Plörre nicht so gut sind wie euer neues Konzept!

 

Auf recyceltem Papier drucken

Oh, toll, ein neues Arbeitsblatt. Was Schüler*innen längst wissen: die meisten Arbeitsblätter sind überflüssig und landen eh in der Tonne. Wenn eure Lehrer*innen aber wieder drucken und kopieren müssen, warum dann nicht auf recyceltem Papier? Zeitungen, Klopapier, Hygieneartikel – es wird so viel mit wiederverwendetem Papier angestellt und produziert, wieso dann nicht auch an der Schule? 200 Millionen Schulhefte werden in Deutschland jährlich verkauft, unter zehn Prozent davon bestehen aus recyceltem Papier! Doch: Hört ihr eure Lehrer*innen auch gleich jammern: Da muss sich aber jemand drum kümmern? Das macht den Kopierer kaputt? Wir werden alle sterben? Ruhe bewahren, denn …

So einfach geht’s:

  • Recyceltes Papier macht den Kopierer nicht kaputt und selbst für Hochglanzfotos müsst ihr höchstens ein paar Einstellungen ändern.
  • Würden zum Beispiel alle Schulen einer Stadt mit 350.000 Einwohnern auf recyceltes Papier umstellen, ließen sich locker 100 Tonnen Holz, 2 Millionen Liter Wasser und 9000 Tonnen CO2 sparen. Wen das nicht überzeugt…
  • Öffnet doch zu Schuljahresbeginn einen Schüler*innenladen mit recycelten Schulheften – die sind oft supergünstig und ihr kommt bei Sammelbestellungen leicht an tolle Rabatte heran!
  • Sprecht eure Lehrer*innen an: Nicht jedes Blatt muss extra eingetütet werden – und Hausaufgaben funktionieren heutzutage auch im Internet

 

„Wer hat aus meinem Mehrweg-Becherchen getrunken?“

In vielen Mensen, Bäckereien und Cafés gehört er zum Inventar: Der Mehrwegbecher! Er besteht aus wiederverwendetem Material, ist günstig und löst die umweltschädlichen Plastik-Einwegbecher nach und nach ab. Wer noch fortschrittlicher ist, handelt nach dem One4all-Cup-Prinzip: Ihr holt euch nicht jedes Mal in der Mensa, beim*bei der Bäcker*in oder in der Kantine einen neuen Plastikbecher für Kaffee und Co., sondern nehmt einfach eure eigene Tasse mit! Wie cool ist das bitte? So eine Tasse verursacht nämlich eine Müllbilanz von 0 (in Worten: Null) und ist ganz flott wieder ausgespült. Euer Sportzeug schmeißt ihr ja auch nicht nach einer Stunde Sport weg!

So einfach geht’s:

  • Tasse mitnehmen, Name drauf, Vorbild sein, abwarten: nächste Woche rennen alle mit einer Tasse rum!
  • Die Mitarbeiter*innen in der Mensa oder in der Bäckerei darauf hinweisen, dass Plastikbecher uncool sind. Mit einem Boykott drohen.
  • Kaffeekränzchen organisieren: Jeden Morgen bringt jemand anders eine volle Thermoskanne mit in die Vorlesung. Ist auch viel geselliger!

 

Eigene #meerrettich-AG

In ganz Deutschland treffen sich Schüler*innen in AGs, um sich und andere Leute über Plastikverbrauch und Umweltverschmutzung zu informieren und zu sensibilisieren. Das könnt ihr doch auch machen! Denn wer sagt, dass nur Lehrer*innen AGs leiten dürfen? Organisiert euch und sprecht über die Probleme, die an eurer Schule besonders groß sind. Erstellt einen vielseitigen Müllvermeidungsplan: Brotdosen statt Frühstücksbeutel, Pfand auf Einweg-Trinkpäckchen, eigene Tassen und Becher im Klassenraum, Filterkaffee im Lehrer*innenzimmer statt plastiklastige Kapseln oder Pads, nachfüllbare Tintenpatronen verwenden und, und, und, …

So einfach geht’s:

  • Lehrer*in eures Vertrauens ansprechen, Raum organisieren, Aushang machen;
  • Themen sammeln: Was stört uns hier? Was wollen wir ändern?
  • Rausgehen und die Leute von euren Plänen überzeugen!

 

Der Artikel ist erschienen auf we-like.com.
© Foto Header: william87 / Fotolia.com – bearbeitet durch jungagiert e.V.