— GUSTAV BEYER

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Tag "Schulwärts"

In dieser Woche habe ich mit einem Schüler begonnen, das neue Schulmagazin ins Internet zu verfrachten. Im Prüfungs- und Lernstress braucht das natürlich seine Zeit. Hier findet ihr schon mal ein Interview, das ein paar Schülerinnen mit mir geführt haben:

Salut Bucuresti - gb

Gustav Beyer wollte mit uns seine Erfahrungen teilen, die er gerade an unserer Schule und am Goethe-Institut Bukarest macht. Deshalb hat er unsere Fragen beantwortet.

Wo und was hast du studiert?

Gustav: Ich habe in Leipzig studiert und zwar Philosophie. Bald kann ich in der Grundschule als Lehrer arbeiten. Dort bringe ich Kindern im Alter von ca. 6 bis 11 Jahren Deutsch, Mathematik oder auch Philosophie/Ethik bei. Parallel arbeite ich als Journalist.

Welche sind deine Hobbys?

Ich gehe bouldern und tanze sehr gerne: Contact Improvisation. Da bist du mit anderen Menschen permanent in Kontakt. Wir fallen über- und durcheinander, manchmal mit und manchmal ohne Musik.

Was hat dich motiviert, nach Rumänien zu kommen?

An der Uni lernen wir, dass die Schulsysteme von Land zu Land und Region zu Region ganz anders sind. In Skandinavien soll alles perfekt sein, in manchen asiatischen Ländern das System nicht gut entwickelt. Ich möchte wissen, was dahintersteckt und woran sich Entwicklungsstufen festmachen lassen. Deshalb bin ich mit einem Programm des Goethe-Instituts dabei, das sich an Lehramtsstudierende und Lehrer richtet. Ich möchte schauen, was eure „Probleme“ sind im Deutsch-als-Fremdsprache-Unterricht. Ich kann ja schließlich schon deutsch sprechen und deswegen ist es sehr interessant, worüber ihr gelegentlich stolpert und wie ihr diese Probleme löst.

Hier gelangt ihr zur vorläufigen Beta-Version unseres Magazins auf cosbucdeutsch.wordpress.com. Da findet ihr auch ganz viele andere Artikel und Geschichten, die unsere Deutsch-Schüler*innen in den letzten Wochen erstellt haben.

Was sind Unterschiede zwischen dem rumänischen und dem deutschen Bildungssystem?

In Deutschland gehen die Kinder vier oder sechs Jahre lang in die Grundschule und dann splittet sich das: In einigen Bundesländern gibt es die Hauptschule, die Realschulen und Gymnasien. Manchmal auch Oberschulen und Gymnasien – das ist wirklich nicht gerade einheitlich bei uns. Mich hat überrascht, dass ihr keine klassischen „Ausbildungen“ habt wie wir.

Wie feiert man in Deutschland Weihnachten und Ostern?

Es ist sehr ähnlich wie bei euch, da in Deutschland auch viele Christen leben. Ich habe aber noch niemanden gesehen, der mit seinen Eiern angestoßen hat. Wir sagen nicht „Hristos a inviat“. Aber wir haben den Osterhasen (oder die Eltern, pssst…), der Eier für die Kinder versteckt.

Am 24. Dezember feiern bei uns viele Heiligabend. Da kommt das Christkind oder der Weihnachtsmann und es gibt Geschenke! Darauf folgen die Weihnachtsfeiertage. Familien treffen sich und verbringen Zeit miteinander. Im Gegensatz zu Rumänien gibt es bei uns in der Adventszeit davor den Adventskalender. Jeden Tag bis zum 24. Dezember wird ein Türchen geöffnet, dahinter befinden sich meistens Bilder oder Schokolade. Dass sie das bei euch noch nicht eingeführt haben – bei uns bringt das kommerziell echt viel ein!

Was liebst du am meisten an Rumänien?

Ich bin hier jetzt schon seit zwei Monaten. Besonders super finde ich, dass die meisten Menschen hier sehr offen sind. Ich wurde bestens empfangen, weil die Menschen mir sehr herzlich und neugierig und hilfsbereit begegnet sind. Außerdem liebe ich die Natur hier und war schon viel unterwegs. Aber da geht natürlich noch was!

Was ist dein Eindruck von der Cosbuc-Schule?

Witzig: Weil viele Schüler zur Schule gehen und das Gebäude verhältnismäßig klein ist, findet der Unterricht in Vor- und Nachmittagsschichten statt. Das kannte ich so aus Deutschland nicht. Im Lehrerzimmer spreche ich mit meinen Kolleginnen und Kollegen vier Sprachen: Englisch, Französisch, Deutsch… und ich probiere natürlich auch Rumänisch.

Welchen Rat würdest du dir selbst geben, wenn du noch einmal so alt wärst wie wir jetzt?

Im Rückblick hat es mir oft geholfen, mich positiv und risikobereit an neue Situationen zu wagen. Auch, wenn ich nicht wusste, wie es am Ende wird.

Interview: Ioana Iulya

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Ein herzliches Bună Ziua aus dem Land, in dem die Menschen Kuhmagen-Suppe essen, das R rrrollen können ohne sich zu verschlucken, in dem Chipstüten eine nachwachsende Ressource darstellen und heute die Schule wieder begonnen hat!

Letzten Donnerstag – wir hatten hier noch Osterferien – bin ich recht spontan nach Brașov getrampt, das auf deutsch Kronstadt heißt. Die Stadt liegt mitten in Transsylvanien, oder auch Siebenbürgen. Mit den herrschenden Königen, Landsherren und Mehrheiten haben viele rumänische Städte auch ihre Namen immer wieder mal gewechselt. So hieß Brașov auch mal Corona, Stephanopolis oder – gar nicht sooo lange her – Stalin-Stadt. Wo heute ein majestätischer hollywood-mäßiger Schriftzug auf dem Tâmpa-Berg auf die Stadt hinweist, hatte man damals den Schriftzug STALIN in den Berg „tätowiert“, also durch geschickte Baumbepflanzung sichtbar gemacht. Gar nicht so leicht, das wieder unsichtbar wachsen zu lassen, denn bloßes Bäumefällen hätte ja an der Erscheinung nicht viel verändert, wie mir ein alter Brașover mit langem, grauen Bart und Schafsfell-Weste auf dem Marktplatz erklärt hat. Heute ist Stalin hier aber verschwunden.

Etwas abseits der historisch vielfältigen Altstadt konnte ich endlich die Großstadtluft hinter mir lassen und ein paar Wander- und Frischlufttage in den schroffen Karpaten genießen. Was für ein tolles Gefühl, als Eichhörnchen, Frösche und Kühe auf dem Weg die einzigen Lebewesen waren, die ich getroffen habe und das Plätschern des Baches, die frische Luft und Kühe auf offener Straße mich begleitet haben!

Von Gustav (@gustav.b_) am

Auf den 1.800 Meter hohen Postăvarul-Gipfel bin ich tatsächlich gewandert, das waren etwa 750 Meter Höhenunterschied zum matschigen, nassen Schnee und traumhaft schönen Ausblick über die Wolken, die in den Karpatengipfeln hingen. Aber auch 750 Meter wieder runter, die mit einem Kabinenlift nur 2 Minuten gedauert haben. Also Leute, diesen Berg kann ich euch empfehlen! Und unten im Tal, einem im Winter sehr begehrten Ski-Domizil, gab es dann wieder eine leckere Rindermagen-Suppe (wollte ich erst nicht probieren (hab ich dann aber doch probiert (war okay))).

An einem anderen Tag bin ich nach Bran gefahren. Auf einem sandigen Weg, wie er typisch für rumänische Dörfer ist, bin ich einem Pferdekarren hinterhergelaufen, der gemütlich über die Steine geholpert ist, bis ich – mitten im Nirgendwo und doch mit Blick auf die Bransche Skyline und schneebedeckten Gipfel – in meiner Unterkunft angekommen bin. Bei Andreia gab es köstliche Rohkost und Eier von den Nachbarn. Mit ihr und ihrem Begleiter habe ich den ganzen Abend über Zeitreisen philosophiert.

Die ganze Wanderung hat sich angefühlt wie eine Zeitreise, dabei war es gar nicht so schwierig, nach Bran zu gelangen (was allein wegen der Bedingungen schon gegen eine Zeitreise spricht). Sicherlich sind euch allen die Sagen über Vampire und die Legende von Graf Dracula nach Bram Stoker ein Begriff. Demzufolge soll Dracula auf Schloss Bran residiert haben. Hat er aber nicht. Ebensowenig war Bram Stoker jemals in Bran. Die Figur geht anscheinend auf den realen Herrscher Vlad III Drăculea zurück, auch Vlad Țepeș (Vlad, der Pfähler) genannt. Sein Vater war Mitglied im Drachenorden von Kaiser Sigimund, und Drache heißt auf lateinisch „draco“, deshalb wurde sein Vater „Vlad Drăcul“ genannt und sein Sohn entsprechend „Vlad Drăculea“ (also lea = Sohn des…). Der war hier nur mal kurz zu Besuch. Und er war grausam, weil er sehr viele Menschen auf hölzernen Pfählen anusaufwärts aufgespießt hat – aber ein Vampir war er nicht.

Dracula persönlich hab ich im Schloss Bran also nicht angetroffen, dafür einige stinkwütende Amerikaner*innen, die sich laut darüber echauffiert haben, dass in dem ganzen Gemäuer nur auf einer einzigen Tafel überhaupt etwas mit Vampiren stand: nämlich, dass hier keine sind und auch nie welche waren.

20170429_164826-min Amerikanische Tourist*innen auf Schloss Bran. Noch wissen sie nicht, was sie nicht erwartet!

Was gibt es noch Schönes zu erzählen? Ach ja: Als hätte ich’s geahnt, war ich in Brașov, als das jährliche Stadtfest stattfnd. Da war die ganze Zeit Musik, die größten Glocken Rumäniens in der Schwarzen Kirche haben gebimmelt und es sind viele Burschen auf ihren Rössern durch die Altstadt, hauptsächlich durch die Straße der Republik geritten, um an die Gesellen- und Burschentradition der Gegend zu erinnern und sie aufrechtzuerhalten.

Das Wetter war weitgehend sonnig, nur an diesem Tag zeigte sich der Himmel trist und grau-in-grau. Die Höchsttemperaturen erreichten Werte bis 20 Grad. Der meist starke Wind erreichte im Bergland vereinzelt Sturmstärke. So sah das aus:

20170430_120538-min Ein Bursche auf einem Pferd, noch einer und ein Polizist in der Brașover Altstadt.

20170430_103055-min Nicht im Bild: der tolle Ausblick auf die 2.000er-Gipfel der Karpaten.

20170428_164223-min Hier hingegen scheint die Sonne wieder. Ich habe sogar eine ganz rote Nase! Obwohl ich extra eine sonnenresistente Zuckerwatte als UV-Schutz gegessen habe. Hat anscheinend nicht gut funktioniert.

Jetzt bin ich wieder in Bukarest, heute war der erste Schultag nach den Ferien. Alle sind müde, alle wollen ihre Ferien wiederhaben und ich hatte kurz ein ganz schlechtes Gewissen, weil ich mich total darüber gefreut habe, dass endlich wieder Schule ist! Hurra, ich habe die Zivilisation wieder und sie mich!

Sonnige Grüße aus der Kuhmagen-Metropole nach Deutschland und in die weite Welt!

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